Ein kurzer Überblick auf der Grundlage deutschen Urheberrechts:

  1. Weblogeinträge können nach deutschem Urheberrecht gesetzlich geschützt sein, soweit sie "Werke" als "persönliche geistige Schöpfungen" im Sinne des Urheberrechtsgesetzes (UrhG) sind.

  2. Soweit die Einträge als Texte betroffen sind, können sie als "Schriftwerke" geschützt sein.

Schutzvoraussetzung ist hierbei jedoch urheberrechtlich eine gewisse "Leistungs-" oder "Gestaltungshöhe". Das ist ein Begriff, der eine Wertung erfordert und deshalb auch im Rahmen individueller Beurteilung schwankt. Im Streitfall hängt die Wertung somit vom Maßstab des zur Entscheidung berufenen Richters ab, der im Rahmen eines Rechtsstreits quasi als "staatlicher Schiedsrichter" fungiert.

In der Sache sind die Anforderungen für die Leistungshöhe an sich nicht sehr hoch. Die gerichtlich entschiedenen und veröffentlichten Fälle und die rechtswissenschaftliche Literatur geben gewisse Anhaltspunkte - man sollte sich gleichwohl davor hüten, hieraus Verallgemeinerungen zu ziehen, denn jeder Sachverhalt bietet individuelle Anknüpfungspunkte, die als "besondere Umstände des Einzelfalls" eine bestimmte Wertung herbeigeführt haben oder herbeiführen können:

In der gerichtlichen Praxis wurde so etwa der Text einer Gebrauchsanweisung schon als urheberrechtlich schutzwürdig betrachtet, umgekehrt aber offenbar die Übernahme von Textelementen aus einem Artikel in einer Computerzeitschrift in eine Gebrauchsanweisung im hier berichteten Fall noch nicht als urheberrechtsrelevant angenommen.

Für Weblogs bedeutet das: Ein normaler Begleittext zu einem Link dürfte diese Hürde der Schöpfungshöhe in der Regel nicht überspringen.
Die (frühere) Praxis des Schockwellenreiters etwa, gewöhnliche Meldungen 1:1 per copy & pastezu übernehmen, ohne diese als Zitat zu kennzeichnen (statt dessen aber mit "via ..." ohne Permalink die Site der "Quelle" anzugeben), dürfte in der Regel also urheberrechtlich nicht zu beanstanden sein - sie erscheint allerdings als Frage guten Stils, und insoweit bleibt es wohl dem Urteil der Netizens, insbesondere der Bloggerszene (und nicht nur den "Anzug und Bedenken-trägern") vorbehalten, zu diesem Punkt der identischen Übernahme fremder Leistung die Frage zu beantworten:

Entspricht es akzeptabler pragmatischer Verfahrensweise, fremde Inhalte eins zu eins zu übernehmen ohne selbst neu zu formulieren - oder schmückt sich der "Identübernehmer ohne Permalink und Wortzitatzeichen" schlicht mit fremden Federn?

  1. Der Vollständigkeit halber gehört hierher noch ein Hinweis darauf, dass auch Datenbankwerke gesetzlich geschützt sind.

In der Regel dürften Weblogs in ihrer Gesamtheit unter diesen Rechtsbegriff fallen und damit eine Spiegelung oder die Einbindung von RSS-Feeds in fremde Seiten deshalb urheberrechtsrelevant sein.

Damit stellt sich die Frage, unter welchen Umständen die Zustimmung des Urhebers hierfür erforderlich ist - die allerdings eindeutig zu beantworten ist: An sich immer.
Es gibt nur manchmal Fälle, in denen von einem solchen Einverständnis ausgegangen werden kann: Ein Beispiel dürfte etwa die Plattform von Google News sein, das als anerkannter Multiplikator anderer Nachrichtenquellen dient, oder etwa die Bereitstellung von Tools durch den Betreiber einer Site zur konkreten Form der Implementierung seines RSS-Feeds.

Im Zweifel hilft ein Blick in die Nutzungsbedingungen eines Weblogs, oder schlicht eine einfache Nachfrage vorab.

  1. Der guten Ordnung halber noch ein paar ergänzende Anmerkungen:

Diese Ausführungen betreffen nur urheberrechtliche Fragen, die damit keineswegs vollständig abgehandelt sind.

Daneben können sich noch eine Reihe anderer rechtlicher Fragen ergeben, die hier nicht angesprochen sind, z.B. kann vor allem im gewerblichen Bereich die Übernahme von fremden Bloginhalten wettbewerbsrechtlich relevant werden.

Aber das sind andere Kapitel ...

Summary:
This article outlines copyright of blog-entries under German Law upon this discussion (E).



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Weiterer Aspekt

Neben rechtlichen und "moralischen" Apsketen des Zitieren gibt es noch einen weiteren: Nicht-Zitieren tötet Blogs.

Weblogs leben vom hin und her der Links und Information. Ist das nicht mehr gegeben, führen sich die Blogs selbst ad absurdum.

wwworker.com




Wer lesen kann ...

ist klar im Vorteil.

Es geht ja nicht darum, dass man Blogs nicht untereinander verlinkt oder nicht zitieren darf. Es gibt für Zitate ein Regelwerk, das Umfang und Form definiert und im übrigen steht es den Publizisten der Blogszene frei frei zu formulieren.

Da im Schockwellenreiter eigene Kommentare kursiv sind ist es kein Problem fremden von Schockwellenreiters Kontent zu unterscheiden.

Der Beitrag als solches ist sachlich und erhellend. Das ist doch schön und nützlich. Als denn — nur keine Aufregung.

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Regelwerk für Zitate?

Mir ist zwar eine gesetzliche Regelung aus dem Urheberrecht zur Zulässigkeit von Zitaten bekannt: § 51 UrhG.

Aber gibt es auch verbindliche Regelungen über die Form des Zitierens?

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Im Fall Alice Schwarzer und die 19 Fotos

stieß ich auf etwas ausführlichere Beiträge zum Zitieren:

Fotorecht
Wann dürfen Fotos ohne Einwilligung veröffentlicht werden?
Wann dürfen Fotos honorarfrei abgedruckt werden?
Wann muß ein Labor Schadensersatz zahlen?

und google präsentierte diesen Beitrag:
Zitatrecht

Sicherlich ist nicht festgelegt in welcher konkreten Form sich ein Zitat vom restlichen Text zu unterscheiden hat, ob blau grün oder lilakariert, aber grundsätzlich besteht eine Pflicht zur Kenntlichmachung. Über Umfang lässt sich streiten, wie im Fall Alice Schwarzer aber an sonsten existiert ein rechtlicher Rahmen für das Zitieren, oder etwa nicht?

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Der rechtliche Rahmen des Zitatrechts


... ist der bereits genannte § 51 UrhG.

Ihr zuletzt genannter Link enthält hierzu eine sehr gut verständliche, und daher empfehlenswerte "Kommentierung" (wie die Juristen zu Erläuterungen des blanken Gesetzestextes sagen ...) - vielen Dank für den Hinweis.

Und die Ausführungen zum Fotorecht betreffen mit dem im Link dargestellten zweiten Aspekt, wann Fotos honorarfrei abgedruckt werden dürfen ("Schwarzer/ Newton"-Fall) auch Zitatfragen, nämlich das Zitatrecht bei Fotografien, ebenfalls recht verständlich dargestellt.

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29. März 2004 10:40:38 MESZ, simons posted:

Twoday Yearbook

Herr Kollege Langenhan (zwischenzeitlich mit Diskussionen via Comments) nimmt heute angesichts des Blogbuchs von twoday.net Bezug auf diesen Artikel über das Urheberrecht an Webloginhalten.

Meine Frage: Stört sich derzeit wirklich jemand an der "Verwertung" seiner Inhalte in diesem "Yearbook", oder herrscht nicht einvernehmlich Freude über diese ergänzende Art Werbung für die erwähnten Blogs und Antville selbst?

Wenn man unbedingt die Diskussion aufnehmen wollte, müßte man sich wohl wieder an die ursprüngliche Diskussion bei twoday selbst erinnern: Die Übernahme von Blog-Inhalten durch twoday war nämlich bereits Gegenstand einer Diskussion um die entsprechende Klausel der Twoday-AGBs. Hier müsste man wohl auch ansetzen, wenn man diese Frage wirklich rechtlich aufarbeiten wollte:

Ziffer 14. der Twoday-AGB lautet:

"Rechte an den Inhalten der Weblogs

a. Zur Veröffentlichung der Inhalte im Rahmen von Benutzerportalen sowie eines allgemeinen Portals räumt der Benutzer Knallgrau sämtliche erforderliche Bearbeitungs- und Veröffentlichungsrechte ein. Knallgrau ist somit berechtigt Inhalte (Texte, Fotos, Illustrationen) zu bearbeiten und in bearbeiteter und unbearbeiteter Form zu veröffentlichen. ..."

Das dürfte formal wohl kaum ausreichen, um ein Buch zu verfassen, das praktisch rein aus Inhalten der Blogs besteht - immer vorausgesetzt, dass dort schon eine urheberrechtlich relevante Schöpfungshöhe erreicht wird ... .

Aber nochmals: "Who cares?".




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